Es war mir eine Ehre 2019

Irgendwo auf der Deutschen Autobahn, der Herbst ist auf allen Linien spürbar, es ist noch sehr früh und ich ziemlich müde. Aber das darf ich jetzt auch sein, die Saison ist vorbei und bis auf weiteres gibt es keine Wettkämpfe mehr für mich dieses Jahr. Off Season – abschalten, auftanken, Köper und Geist eine Auszeit geben, und neue Motivation sammeln. Obwohl, das mit der Motivation für nächstes Jahr hat sich eigentlich schon erledigt. 2020 stehen so viele tolle Dinge an, dass ich aufpassen muss, dass ich nicht übermotiviert werde. 😉 Aber alles der Reihe nach…

Das Jahr begann mit einem weiteren großen Ziel in meiner sportlichen Laufbahn – dem Tokyo Marathon. Es war dies der fünfte von den großen sechs Marathons, und zum Abschluss dieses Ziels fehlt jetzt nur noch London. Tokyo war auf allen Linien eine Reise wert. Ich konnte zwar nicht ganz meine erhoffte Zeit laufen, aber in Anbetracht der ziemlich miesen Wetterbedingungen (kalt, regen, windig) bin ich mit meinen 3.18.12 ganz zufrieden.

Diese Zeit hat mir dann vor gut 2 Wochen auch eine weitere Qualifikation für den Boston Marathon im April 2020 eingebracht, und ich freue mich sehr, dass ich nach den tragischen Ereignissen 2013 noch einmal in diese tolle Stadt zurückkehren darf und diesmal, gemeinsam mit Jens, (er hat sich über den Berlin Marathon 2018 qualifiziert) den Marathon und auch die Zeit danach genießen darf.

Nachdem der Jetleg verdaut war begann auch schon die Vorbereitung auf das nächste Highlight der Saison. Eigentlich DAS HIGHLIGHT mit dem Ironman Irland in Cork/Youghal. Ironman Nummer neun sollte endlich die erhoffte Hawaiiqualifikation einbringen. Ich weiß zwar bis heute nicht, warum ich mich zur diesem Wettkampf im rauhen Irischen Klima überreden habe lassen, aber der Urlaub danach, die wunderschöne Landschaft, der gute Whisky und die angebliche Gastfreundschaft der Iren haben mich dann doch gereizt. Und soviel schon vorweg, der Urlaub war toll, das Wetter vor und nach dem Wettkampf der Wahnsinn, die Landschaft der Hammer (vor allem wenn das Wetter so schön ist!), Whiskey mag ich jetzt noch lieber, und die Herzlichkeit der Iren ist in der Tat einzigartig.

Der Wettkampf selbst war aber leider ein einziges Desaster für mich. Top vorbereitet und motiviert angereist, wurde mir schon am Freitag vor dem Rennen jegliche Hoffnung genommen, ein mögliches Schwimmen „lebend“ zu überstehen. 12 Grad Wassertemperatur und von Tag zu Tag höhere Wellen ließen meine Stimmung in den Keller sinken. Am Wettkampftag selbst dann 24 h lang strömender Regen, Wind und Tageshöchstwerte von 8-10 Grad – juhuuu, genau meine Bedingungen! 😦 😦 😦

Nach 2,5 h im Regen warten wurde dann doch! das schwimmen abgesagt, und so durften wir den Rolling Start zur Abwechslung mal auf dem Rad ausprobieren. Angezogen wie im tiefsten Winter ging es auf 180 km überflutete Strassen, gespickt mit 2000 Höhenmetern, darunter zwei mal eine 21% Rampe hoch. Mir war so dermassen kalt, dass ich die ersten 100 km etwas über meinen Verhältnissen gefahren bin und das Rennen in meiner AK angeführt habe. Wirklich warm ist mir aber trotzdem nie geworden und so dauerte es eine gefühlte Ewigkeit in der Wechselzone in die Laufklamotten zu kommen. 23 km lang habe ich versucht, meinen durchgefrohrenen Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen, aber es war hoffnungslos. Nach langem hin und her habe ich dann beschlossen, diesem Drama ein Ende zu setzen und bin (auf Platz drei liegend) ausgestiegen. Nach 45 min in der heissen Dusche, 2 Tassen Tee und eingeheiztem Kamin bei unserer Gastfamilie, war ich wieder zurück im Leben. Fazit: Kalt kann ich einfach nicht! – So kann ich die Saison nicht beenden! – Den nächsten Wettkampfort suche wieder ich aus!

Schon zwei Wochen später war das nächste Rennen gebucht und nach einem Kurzurlaub in der steirischen Heimat auch das Irische Trauma überwunden. Es folgten acht intensivste Vorbereitungswochen, wieder unter Anleitung meiner Trainerin des Vertrauens Edith Niederfriniger. „Es wor zach, richtig zach!“ aber ich konnte mich tatsächlich überwinden und hab mich manchmal selbst überrascht mit diversen Trainingsergebnissen. Die Form wurde immer besser und meine Überzeugung, es doch noch auf Hawaii zu schaffen in diesem Leben, wuchs von Tag zu Tag. Zehn Tage vor Abreise dann eine kleine Schwächeperiode von 2-3 Tagen, aber auch das konnte meiner positiven Stimmung nichts anhaben. Nochmal etwas mehr schlafen, besser schlafen, noch überlegter Essen, Stressquellen ausschalten, etc. und siehe da, es war gleich wieder alles bestens.

Und dann ging es los, Mittwoch Anreise nach Bella Italia, einchecken, Pizza, Pasta, Gelatò, schlafen, Startnummer holen, Wettkampfbesprechung, Pastaparty (best ever!), schlafen, ab ins Meer testschwimmen (uiii, sehr wellig, aber warm ;-)), Frühstücken, schlafen, kurzes Läufchen, duschen, Wechselzone einrichten, Treffen mit den anderen Pro Train Athleten samt Coach (die letzten Zweifel bezüglich Wellen ausräumen), eine Portion Spaghetti Verdure, Verpflegung für morgen richten, und früh schlafen gehen. Ich habe sensationell geschlafen, war um Punkt vier Uhr wach und parat für den großen Tag!

Um 7.45 Uhr erfolgte der Startschuss zum Ironman Italy Emilia Romagna Cervia in der tatsächlich fast flachen, 22 Grad warmen Adria und somit war auch der Neoprenanzug erlaubt. Der Beginn war eher mühsam, aber ab der Hälfte lief es ganz gut. Die Zeit war nicht berauschend, aber ausreichend um bei Zeiten und noch erträglicher Athletenmenge auf das Rad zu steigen.

Die Radstrecke war das krasse Gegenteil zu Irland – pfannkucheneben und zweimal einen kleinen Hügel rauf und wieder runter, in Summe etwa 680 Höhenmeter, geteilt mit 3000 anderen Athleten, was irgendwann auf der 2. Runde wirklich mühsam, und teilweise auch richtig gefährlich wurde. Aber all das hat mich an diesem Tag null beeindruckt. Ich habe versucht meine Watt zu treten und mir alle 20-25 min etwas in den Mund zu stopfen, damit auch auf den letzten 50 km noch was im Tank ist. Ich wollte einfach nicht ein weiteres Mal an der Verpflegung scheitern. Und siehe da, das klappt wirklich und so waren meine letzten 30 km erstmals richtig stark! 🙂

Ich konnte daher gemeinsam mit einer direkten Konkurrentin als 3. vom Rad steigen und war voller Vorfreude auf den anstehenden Marathon. Es lief – viel zu gut – deshalb habe ich versucht, nicht zu überdrehen. Ich habe mich gezwungen, langsamer zu laufen und wieder totale Konzentration auf mich und meine Ernährung gelegt. Die Vier-Runden-Strecke gab mir die Möglichkeit, meine Trainerin Edith meist zweimal pro Runde zu sehen. Edith hat mich immer mit den nötigen Infos versorgt (auf welchem Platz ich liege, wie groß mein Rückstand ist, etc.), hat tolle Photos gemacht, und hatte zum Ende hin immer genau die richtigen Worte um mich aufzubauen und meine Spannung aufrecht halten zu können. Genau DAS war diesmal die endgültige Initialzündung für den Erfolg. Es ist mir erstaunlich gut gelungen, mein Tempo konstant zu halten und eine Runde nach der anderen abzuhacken. Zum ersten Mal in meinem Triathletendasein hatte ich nie wirklich Mühe, mir tat nichts weh, ich musste mich nicht überwinden, es lief einfach perfekt! 🙂 Als mir Edith dann 2,5 km vor dem Ziel die letzte Info zugerufen hat, wusste ich, das ist es heute – du kannst für Hawaii 2020 planen! Ich war zu diesem Zeitpunkt eine Sekunde hinter der zweit Platzierten und lief ein schnelles Tempo als sie. Ab da wurde es noch leichter, und ich konnte endlich einmal einen Zieleinlauf so richtig genießen. Nach 10:11:23 h, einem Marathon in 3:31 h und neuer persönlicher Bestzeit, war dann auch mein 10. Ironman Geschichte. Ich wusste schon sehr früh, dass ich zumindest zweite werden muss, um eine reelle Chance auf die Qualifikation zu haben, und dafür habe ich an diesem Tag alles gegeben. Mit Erfolg – ich konnte noch 26 Sekunden gut machen und der 2. Platz ist tatsächlich Realität geworden! 🙂 🙂 🙂

Nach einer heißen Dusche, dem verdienten Abendessen inkl. großem 0,75l Podiumbier (auch in Italien gibt es sehr gutes Red Ale ;-)), und einem langen Abend mit tollen Gesprächen bin ich müde, aber überglücklich ins Bett gefallen. Doch schon um 6 Uhr war ich wieder hellwach und bereit, mir den Lohn für die letzten Wochen, Monate und Jahre abzuholen. Packen, und ab zur Siegerehrung mit erneut sehr leckerer Verpflegung und Slotvergabe. Es war ein Genuss, nach 2013 endlich wieder einmal auf einem Ironman Podium zu stehen. Und als ich dieses wieder verlassen habe, kam die Siegerin aus Irland auf mich zu und sagte mir, dass sie nicht nach Kona fliegen wird. Ich habe sie einfach nur umarmt und mich bedankt. Mein Glück war endgültig perfekt – gleich würde ich die Hawaii Münze bekommen und mein Lebenstraum, einmal am Pier von Kona starten und dann hoffentlich am Ali`i Drive durchs Ziel laufen zu dürfen, wird nach 12 Jahren und 10 Versuchen endlich Wirklichkeit! „Gut Ding braucht eben Weile“ – aber dafür ist es jetzt umso schöner!!!

Zum Abschluss möchte ich noch danke sagen an meinen Schatz Jens, DANKE, dass du das jetzt schon 11 Jahre lang mitmachst und meine Sport-Spinnerei aushältst! Und herzlichen Glückwunsch auch zu deiner eigenen Leistung in Italien (superstarke PB von 9.37h! Bei deinem Arbeitspensum nicht hoch genug einzustufen!) DANKE an die beste Trainerin – Edith, ohne dich wäre das alles nicht möglich gewesen. Über deine fachliche Expertise brauchen wir nicht reden, was ich an dir viel mehr schätze, ist deine menschliche Seite. Du findest immer die richtigen Worte, hast zu jeder Zeit ein offenes Ohr und weisst genau, was gut für mich ist. DANKE an meinen Verein SC Liezen Triathlon-Radsport für die bedingungslose Unterstützung all die Jahre, obwohl ich so weit weg von euch bin, und wir uns meist nur einmal im Jahr treffen. DANKE an meine Familie, meine Freunde, Kunden und Kollegen, die immer zu mir stehen, mich motivieren, mir die Daumen drücken oder mich sogar als Betreuer zu den diversen Events begleiten.

So, jetzt ist aber Schluss! Danke fürs durchhalten und bis zum nächsten Mal!

Eure überglückliche

Tanja

Werbeanzeigen

New York Marathon 2017

Blog schreiben gehört wahrlich nicht zu meinen Stärken, aber ich versuche es mal wieder. Erneut ist ein Jahr vergangen und ich möchte keinen Tag davon missen. Es war ein spannendes, aber auch sehr taffes und daher sitze ich gerade auf der Terrasse unserer Urlaubsunterkunft auf Guadeloupe in der Karibik, während ich diese Zeilen schreibe. Noch letzte Woche war es viel weniger ruhig, dafür aber umso emotionaler. Der New York Marathon sollte heuer der krönende Saisonabschluss sein, nachdem das große Highlight, der Ironman Zürich, leider krankheitsbedingt komplett zu vergessen war.

Gebucht über einen Reiseveranstalter, da ich 2015 in Berlin leider um fünf Sekunden zu langsam war, um die Qualifikation über die Zeit zu schaffen (Good for Age), ging es am 29. Oktober via Zürich Kloten nach New York. Einen Tag später dann endgültig, da unsere Maschine zur gewohnten Zeit nicht fliegen konnte – technischer Defekt – sehr beruhigend! 😉

Untergebracht in Brooklyn bei Verena und Andi (viiiieeeeelen lieben Dank nochmal für ALLES!!!!) ging es die ersten Tage zu Fuß durch „“Die Stadt, die niemals schläft“. Eine wirklich aufregende City mit sooo vielen Sehenswürdigkeiten, verschiedenen Kulturen, tollen Events und vielem mehr. Besonders zu Halloween, tummelten sich viele verkleidete Kinder und Erwachsene in der Stadt und verlangten „Süsses sonst gibt’s Saures“ (Trick or Treat). Leider hat genau diesen Tag wieder so ein Wahnsinniger genützt, um mit einem feigen Terroranschlag in Lower Manhattan unsere westliche Lebensweise zu beeinflussen. Acht unschuldige Menschen mussten dabei ihr Leben lassen und die ganze Stadt wurde innerhalb von Sekunden in Angst und Schrecken versetzt. Wir waren zum Tatzeitpunkt ganz in der Nähe und sind nur ein paar Minuten später, 3-4 Blocks entfernt, am Ort des Geschehens vorbei gegangen. Nach dem Erlebten von Boston 2013 war es für mich wie ein Déjà-vu, auf dass ich sehr gerne verzichtet hätte. Vielleicht war es diesmal leichter, das Ganze schneller zu verarbeiten oder zumindest so zu tun, als ginge das Leben einfach weiter, aber genau das fand ich am Schlimmsten. Es wird immer selbstverständlicher, dass man mit diesen Gefahren leben muss – egal ob wir es wollen oder nicht, ob es irgendeinen Sinn macht oder nicht… Facebook Smiley weinen

Der große Tag kam immer näher, und die täglichen Sightseeingschritte wurden sukzessive reduziert, damit die Beine frisch sind und die maximale Energie zur Verfügung steht. Faul herumliegen, gut und gesund essen, (ja, das kann man auch in den USA! :-)) viel schlafen und einmal pro Tag kurz die Beine im nahegelegenen Prospect Park (laufend)! vertreten – wie es sich halt gehört vor einem Marathon.

Tja, und dann Sonntag: 4.15 Uhr aufstehen, frühstücken, um 5 Uhr zur U-Bahn, um 6 Uhr auf der Fähre, eine Stunde später im Bus und damit zum Start. Dort zwei Stunden frieren bis man endlich auf die Verrazano Bridge gelassen wird. Noch fix die US-Hymne anhören und dann mit 50.000 anderen durch die fünf Stadtbezirke von New York laufen. Wochenlanges Training, welches sehr gut gelaufen ist, verletzungsfrei, gesund, die Form passt und die Motivation auch – und jetzt geht’s endlich los!!! YEAHHH!!!

Und das mal gleich bergauf, auf den höchsten Punkt der Brücke – fühlt sich toll an, nach drei Stunden herumstehen(sitzen) in der Kälte. Aber egal, schnell sind die Beine warm und voller Laktat, sodass man es gar nicht mehr merkt, dass es schon wieder bergab geht. Doch das sollte nicht anders werden, hoch und wieder runter, ein paar Kilometer halbwegs eben und wieder eine Brücke hoch, der Halbmarathon geschafft (noch immer fast in der Wunschzeit), und wieder eine Brücke, mittlerweile stärkerer Nieselregen und auf den Brücken auch ziemlich windig. Ab km 28 dann der Mann mit dem Hammer, wieder ein Bergaufstück, die Beine können nimmer ganz so schnell und ich muss meinen bis dahin wundervollen Pacemaker (Jens natürlich!) ziehen lassen. Aber das war so ausgemacht, wir starten zwar gemeinsam, aber jeder läuft sein eigenes Rennen. Auf diesen verbleibenden 12 Kilometern hat Jens noch satte fünf Minuten rausgelaufen und nur knapp über 3.10 Stunden gefinished. Leider ein paar Sekunden zu wenig um sich für den Boston Marathon zu qualifizieren, aber egal, er selbst hat am wenigsten daran geglaubt, diesen Marathon so gut zu überstehen. 😉

Ich habe diese 12 km noch ganz schön gelitten und wusste, wenn ich eine neue Bestzeit laufen will, dann muss ich durchbeissen und Meter machen. Erschwert wurde die Mission „breaking 3.15“ massiv durch die abschließenden Hügel im Central Park, aber hilft ja nicht, die gehören zum New York Marathon einfach dazu (275 Höhenmeter, wer es genau wissen will!). Die letzten Kräfte mobilisieren und durch – Kampf bis auf den letzten Zentimeter auf der Finish Line – wieder keine gescheiten Bilder von dort – nur Kampf – ABER – es hat sich ausgezahlt: 3.15.00 = neue persönliche Bestzeit (zwar nur um fünf Sekunden, aber immerhin) und die Gewissheit, dass ich auf einer flachen Strecke meinem Traumziel schon sehr nahe gekommen wäre. Der Beweis folgt so bald wie möglich! 😉

An dieser Stelle noch einen herzlichen Dank an Coach Edith, ohne dich und deine immer so positiven Worte hätte ich das nicht bis zum Ende durchgezogen! Ach – und schön, dass ich dich überraschen konnte! Facebook Smiley Engel oder Heiligenschein #inspire&believe #nevergiveup

Danke an den besten Pacemaker der Welt – Jens, dass du wegen mir auf den Start AUF der Verrazano Bridge mit Aussicht! verzichtet, mich mit Wasser versorgt, und 30 lange Kilometer motiviert hast zu beissen, werde ich dir nie vergessen! Facebook Smiley Kuss

Jetzt ist aber Schluss, wir geniessen noch den restlichen Urlaub in der Wärme, bevor es in den Europäischen Winter zurück geht. Dort startet die Langlaufsaison und die Pläne für 2018 nehmen bestimmt auch bald Formen an.

Bon Nuit aus Deshaies/Guadeloupe Facebook Smiley Brille

Tanja

Ich bin wieder da…

Wir schreiben den 10.10. 2015 – es ist Hawaii-Abend in einem gottverlassenen Dorf auf Korsika. Die Internetverbindung lässt zu wünschen übrig, aber für den Livestream von Ironman und HR Fernsehen reicht es gerade so.

Ich befinde mich im Urlaub nach einer aufregenden, anfangs mühsamen, aber am Ende sehr erfolgreichen Saison. Zwei Wochen mal alles tun, was (fast) nichts mit Triathlon zu tun hat – wandern, mountainbiken, am Strand liegen, gut und viel essen und die eine oder andere Zeile lesen. 🙂

Nach einem Wahnsinns 2013 mit einem tollen Urlaub zum Jahreswechsel in Neuseeland und Australien kam ein furchtbares 2014! Lebensmittelvergiftung am Heimflug, Kreislaufzusammenbruch, Krankenhausaufenthalt zum nähen von zwei Cuts am Kopf nach dem Zusammenbruch und gut zwei Monate komplett ausser Gefecht. Es folgten zahlreiche medizinische Untersuchung und Tests, die eine ernüchternde Diagnose brachten. Die komplette Darmsanierung mit Wiederaufbau war noch das Schönste von allem. 😦 Das Schlimmste war aber die Erkenntnis, dass der Körper nicht mehr weiter gehen will – weder physisch noch psychisch. Also – runter vom Gas, weniger Sport und Dinge aus dem Leben streichen, die mir nicht gut tun. Die Zeit war sehr hart, aber dank toller Unterstützung ging auch sie vorbei.

Ab Mitte des Jahres kamen dann einige glückliche Zufälle zusammen und es ging wieder langsam aufwärts. Neue Aufträge für meine Firma, viele neue Menschen kennengelernt und für mich eine Entscheidung getroffen, die bis zum heutigen Tag eine der besten meines Lebens war.

Gesundheitlich ging es immer besser und ganz langsam konnte ich wieder an sinnvolles Training denken. Gleich nach Wiedereinstieg ein Sturz mit dem Bike, Rippen- und Hüftprellung! War wohl doch noch zu früh… 😦 Aber ich hatte nochmal viel Zeit, über einen neuen Schritt nachzudenken und Ende November wurden die Gedanken dann in die Tat umgesetzt.

Seit 1. Dezember 2014 habe ich nun selbst einen Coach. Viele haben mich deshalb belächelt, gefragt, „warum brauchst du einen Coach, wenn du doch selbst einer bist?“ etc. etc. Aber ich hab mich davon nicht beirren lassen und wollte es einfach mal ausprobieren. Trainingspläne schreiben für andere ist die eine Sache, aber für einen selbst, eine komplett andere. Andere motivieren ist spannend und gibt mir unendlich viel, aber sich selbst immer wieder zu motivieren ist schwer und verbraucht unglaublich viel Energie. Energie, die viel besser anders eingesetzt werden könnte.

Klar könnte man sich auch auch Pläne aus dem Netz runter laden, könnte nach Vorgaben in diversen Zeitschriften trainieren – die Möglichkeiten sind vielfällig. Aber – wenn die Chemie stimmt (und das ist für mich DAS Entscheidende!), dann ist eine Coach-Athlet-Beziehung etwas unglaublich Inspirierendes! Ein guter Coach merkt von selbst, wenn es dir nicht gut geht, reagiert entsprechend und versucht dich wieder auf den rechten Weg zu bringen, sogar wenn es eine räumliche Trennung gibt, alles kein Problem im heutigen multimedialen Zeitalter. Ein Blatt Papier oder der Trainingskalender am PC merken nicht, wenn sie dich ins Übertraining katapultiert haben. 😉

Nach dem ich mit dem Skifahren aufgehört habe, habe ich mir geschworen, nie wieder nach einem Trainingsplan zu trainiere. Aber das habe ich mittlerweile komplett überworfen – es macht viel mehr Spass, hat viel mehr Struktur und ist eine unglaubliche Motivation und Freude, die eigenen Ziele gemeinsam zu erreichen und den Erfolg teilen zu können bzw. jemanden zu haben, der bei Misserfolg zu einem steht.

Tja und von nun an ging’s fast nur noch aufwärts, fast! Der erste Wettkampf 2015 war ein Langlaufrennen (mein Erstes überhaupt!) über die Marathondistanz in Leutasch (Ganghoferlauf) mit einem Top 20 Finish bei den Frauen – war genial und gibt sicher eine Wiederholung!

Gefolgt vom ersten Ironman 70.3 in Aix en Provence (Frankreich) am 2. Mai mit leider mittelmässigem Ergebnis (Rang 7 AK 35-39) aufgrund einer hartnäckigen Wadenverhärtung im direkten Vorfeld.

Doch schon Ende Mai waren die Wadenprobleme Geschichte und ich konnte beim Narzissenlauf in der Heimat über 8 km mal so richtig die Düsen durchputzen.

Mitte Juni dann der nächste 70.3 bei der Challenge Heilbronn (Deutschland). Hier lief es schon ganz gut und es fehlte eigentlich nur ein bisschen Glück. Platz 4 in der AK 35-39 mit nur knapp drei Minuten Rückstand auf die Siegerin und weniger als eine Minute auf das Podium.

Gleich darauf begann aber schon die Vorbereitung auf das Highlight der Saison – den Berlin Marathon. Diesem Ziel habe ich und auch meine bessere Hälfte sehr viel untergeordnet und daher auch mal unangenehme Entscheidungen getroffen. Wettkampfmässig wurde die Vorbereitung nur durch den 2. Losergipfellauf unterbrochen, bei dem ich mir Platz drei in meiner AK holen konnte und das doch oft sehr zähe Intervalltraining auf der Strasse etwas auflockern durfte.

Der Focus war auf Berlin, der Sommer meinte es sehr gut mit uns und bis auf ein paar kleine Zimperleins ging die Vorbereitung eigentlich sehr reibungslos und unspektakulär über die Bühne. Es war hart, aber die Motivation, die eingangs SEHR hoch gesteckten Ziele zu erreichen war stärker. Und genau diese Hartnäckigkeit und Fokusierung wurde dann am 27.9. mehr als belohnt!

Ich war zwar noch nie so nervös im Vorfeld – warum auch immer? Fühlte mich am Vortag und am Morgen des Marathons wie „kurz vorm krank werden“, aber sobald der Startschuss ertönte gab es nur noch mich und meine Zeitvorgaben. Diese konnte ich bis Kilometer 25 exakt einhalten, kam gut über einen kurzen Einbruch hinweg und konnte auf den letzten zehn Kilometern nochmal ein bisschen was gut machen. Auch, wenn es vom Brandenburger Tor bis zur Ziellinie schöner gewesen wäre, die Stimmung zu genießen, als vergeblich noch einige Sekunden gut zu machen – am Ende steht nun eine neue Personal Best von 3.15.05 auf der Vita und die Gewissheit, dass da sogar noch mehr geht! Dass auch Jens sein oberstes Ziel, unter drei Stunden zu laufen, mit 2.57.01 erreichen konnte, hat diesen Tag zu einem ganz besonderen gemacht!

Doch nicht nur dieser Tag in Berlin – die gesamte Vorbereitung war ein Wahnsinn! Es tut einfach gut zu sehen, dass mein Körper und auch der Geist wieder voll mitspielen und es macht immer noch und immer wieder riesigen Spass, die eigenen Grenzen zu verschieben.

Auch wenn viele das nicht verstehen können – ich für meinen Teil glaube, wenn man mit Leistungssport aufgewachsen ist, dann braucht man dieses Gefühl ein Leben lang um wirklich glücklich zu sein und sich wohl zu fühlen. Jens, du hast das mittlerweile verstanden und dafür danke ich dir! Und seit nun beinahe einem Jahr gibt es noch jemanden, der mich, in meiner zugegeben oft eigenen Ansicht der Dinge, versteht und jederzeit ein offenes Ohr für mich und meine Anliegen hat – Danke Edith, du bist ein großartiger Coach und noch viel großartigerer Mensch!!! #inspire&believe

In diesem Sinne – Aloha aus Riventosa Korsika 🙂

Tanja

Saisonplanung 2014

Die Zeit vergeht mal wieder wie im Flug und 2014 ist voll im Gange. Nach meinem, aus sportlicher Sicht, bisher erfolgreichsten Jahr mit – für meine Verhältnisse – vielen Wettkämpfen, ist mir die Vorbereitung und Planung diesmal äußerst schwer gefallen. Es war einfach etwas die Luft draußen und nach Erfüllung eines lang gehegtem Traumes – einer längeren Reise nach Neuseeland und Australien – war der Focus über den Jahreswechsel diesmal ein ganz anderer, sportlich wie auch finanziell. Neuseeland habe ich in den fünf Wochen ausgiebigst erlaufen (320 Kilometer mit gut 13.000 Höhenmetern) und Sydney und Melbourne von Nord nach Süd und Ost nach West bis ins Detail erkundet – meist auch zu Fuß, aber durch die hohen Außentemperaturen (bis zu 45 Grad!) eher spazierend als laufend. 🙂

FrühstückLauf IronOpera

Inzwischen ist wieder etwas Ruhe eingekehrt und die Ziele für 2014 wollen fixiert werden. Erstmals werde ich in eine Saison mit einigen Materialsponsoren gehen und möchte diese natürlich auch entsprechend gut präsentieren. 🙂

An dieser Stelle geht schon mal ein herzliches Dankeschön an

für die tolle Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen.

Somit zu einer kurzen Übersicht meiner heurigen Wettkampfpläne:

Nach einem kurzen Radtrainingslager in der so liebgewonnenen Toskana über Ostern, werde ich Ende April/Anfang Mai mit einem Halbmarathon starten, um mich näher an mein nächstes Ziel, die 1.30 h heranzuarbeiten. Ein spezifisches Rennen habe ich aber noch nicht ausgewählt.

Ganz oben auf meiner Wunschliste steht auch der Wings for Life World Run am 4. Mai. Hier würde ich gerne etwas Gutes tun und mit ein paar Freunden und Bekannten bei der Schweizer Ausgabe in Olten am Start sein, da eine Reise nach St. Pölten, wo die Österreichische Ausgabe stattfinden wird, doch etwas zu weit ist von Feldkirch aus. Sollte jemand Lust haben, mich zu diesem sicherlich einzigartigen Event zu begleiten, würde ich mich sehr freuen.

Ende Mai zieht es mich dann mal wieder in meine Heimat Altaussee um beim Narzissenlauf eine, wenn nicht DIE schönste Laufstrecke Österreichs unter die Laufschuhe zu nehmen und meine zwei-Runden-Bestzeit aus dem Jahre 2008 etwas nach unten zu korrigieren. Eventuell begleiten mich dazu auch noch zwei meiner Schützlinge aus unserer Laufgruppe der Gesundheitsmanufaktur.

Im Juni, Juli und August liegt der Focus dann schon mehr am Triathlon und je nach Verfassung und noch verfügbarer Startplätze, werde ich spontan die eine oder andere Olympische Distanz sowie mindestens eine Mitteldistanz bestreiten.

Hier stehen ohnehin fast jedes Wochenende mehrere Rennen zur Auswahl und daher sollte immer und jederzeit etwas zu finden sein. Am Radar stehen z. B. 31. Mai/1. Juni AllWoman & AllMen Triathlon Podersdorf, 14.6. Puttersee Triathlon, 15.6. Challenge Kraichgau, 2.8. Hallstätter See Schwimmen, 31.8. Staffel (schwimmen) beim Trans Vorarlberg Triathlon, etc. etc.

In dieser Zeit werde ich aber auch versuchen, möglichst viele Kilometer auf meinem neuen Zeitfahrrad zu sammeln um die Sitzposition bis zum Saisonhöhepunkt so ideal wie möglich hinzubekommen.

Der Saisonhöhepunkt 2014 ist daher, wie auch schon 2012, erst für den Spätherbst geplant und steht noch nicht zu 100 % fest.

Austria Triathlon Start                   vs.

IM Malle

 

 

Zur Auswahl stehen die Staatsmeisterschaft über die Langdistanz im Rahmen des Austria Triathlons in Podersdorf/Burgenland und der Ironman Mallorca. Also eine Entscheidung zwischen familiärer Atmosphäre und Österreichischer Triathlon-Tradition mit der durchaus möglichen Podiumsplatzierung in der Altersklasse bei einer Staatsmeisterschaft, sowie fairen Startgeldern und nicht unerheblichem Preisgeld bei Damen und Herren. Dem gegenüber steht das einzige, noch buchbare Ironmanrennen Europas, die Premiere einer Langdistanz auf Mallorca, mit der möglichen Chance zur Qualifikation für mein Ziel Hawaii, jedoch auch die Jahr für Jahr immer mehr abschreckenden, hohen Startgebühren verbunden mit höherem logistischen Aufwand.

Ob nun Tradition oder Kommerz das Rennen machen werden, kann ich im Moment nicht sagen. Vor und Nachteile halten sich noch die Waage, aber ich werde es mir reichlich überlegen und bald eine Entscheidung treffen müssen.

Tja und dann fiebere ich noch dem 26. März entgegen, denn da entscheidet sich, ob ich einen offiziellen Startplatz für den New York Marathon 2014 bekomme.

Es ist also noch nicht alles unter Dach und Fach, eine grobe Struktur steht aber immerhin schon mal. 🙂

Ich halte euch am Laufenden

eure Tanja

Traillaufschuh – Skechers GoBionic Trail im Test


Nun ist die Triathlonsaison beendet und endlich darf mein neuestes Laufspielzeug insLogo Skechers_PERFORMANCE Gelände. Doch bevor ich diesen Bericht schreiben konnte, war es mir wichtig, den Schuh auch bei wirklich allen Bedingungen gelaufen zu sein. Das ist nun erledigt, mit einer kleinen Ausnahme: auf Schnee und Eis hatte ich (Gott sei Dank 🙂 ) noch keine Möglichkeit.

Alles andere ist abgearbeitet und hat zu folgenden Erfahrungen geführt:

Skechers GoBionic Trail

Der Skechers GoBionic Trail ist eine absolute Bereicherung auf dem Trailschuhmarkt. Bisher eher mit den schwereren Modellen von Salomon unterwegs, brauchte ich dringend eine Alternative, da mir der Speedcross einfach „zu viel Schuh“ ist. Der Go Bionic Trail ist da wesentlich minimalistischer, leichter und vor allem flacher. Mit einer Sprengung von nur 4 mm, darf man ihn getrost zu den minimalistischen Trailschuhen zählen, und deshalb ist es sehr von Vorteil, mit diversen Barfußtrainern etwas Erfahrung zu haben, um mit dem GoBionic Trail auch wirklich Freude zu haben. Ist das nicht der Fall, kann ich nur raten, langsam rantasten und anfänglich nur kurze Strecken laufen. Auch das Gewicht ist absolut top. Das von mir gelaufene Damenmodell in der Größe 39 bringt schlanke 212 g auf die Waage.

Die Passform ist sehr gut, fast wie eine zweite Socke, die Zehenbox geräumig, aber nicht zu weit, der Fersenhalt top und das Schnürsystem sehr durchdacht. Die dicken, runden Schnürsenkel sind zwar nichts für Gewichtsfetischisten, dafür bieten sie aber einen super Halt und verteilen den Druck ausgewogen über den gesamten Spann.

Die Sohle sieht auf den ersten Blick auch eher minimalistisch aus, doch das ist sie auf keinen Fall. Der Halt der leicht gerillten Stollen ist viel besser als gedacht. Besonders auf staubigen, trockenen Waldwegen und Trails verschenkt man damit keinen Millimeter, und auch auf regennassem Untergrund ändert sich daran nichts. Absolut positiv überrascht hat mich auch der Halt auf nassem Stein oder Fels. Durch die relativ breite Sohle bietet der Schuh eine gute Seitenstabilität und schützt so den Fuß zuverlässig vor seitlichem Wegknicken. Und wie alle anderen Modelle der GoBionic und GoRun Serie, unterstützt er das Abrollen über den Mittelfuß, was vor allem im Gelände durchaus Sinn macht, da man hier ja ohnehin mehr auf dem Ballen läuft.

Toll funktioniert auch die Zusatzwirkung des Aussenmaterials – dringt Wasser in den Schuh ein, wird dieses wieder nach aussen gedrückt und im Inneren bleibt man tatsächlich (fast) trocken. Ausserdem ist die Zehenkappe relativ weit hochgezogen, sodass Schmutz und Nässe erfolgreich abgehalten werden.

Etwas ungewöhnlich sind die Größenbezeichnungen, daher orientiere ich mich bei den meisten Herstellern nur noch an den Zentimeterangaben. D, US und UK Größenbezeichnungen sind einfach immer unterschiedlich und schwanken gerade bei geschlechtsspezifischen Modellen oft signifikant.

Mit einem Preis von ca. 80 Euro kann man aus meiner Sicht absolut von einem fairen Preis-Leistungsverhältnis sprechen. Vielen Konkurrenzmodelle sind da um einiges teuerer. Bleibt nur noch abzuwarten, über wie viele Kilometer mich das gute Stück begleiten wird. 🙂

Fazit: Ein absolut empfehlenswerter, leichter Traillaufschuh für neutrale Mittel- und Vorfußläufer, der viel Spass auf nahezu jedem Untergrund bietet. Lediglich die Strasse ist nicht sein Terrain, aber selbst da läuft er sich wesentlich besser als viele andere „Geländegänger“! Das alles gibt’s für einen wirklich fairen Preis und in tollen, männlein- und weiblein gerechten Farben! 😉

Skechers GoBionic Trail in Aktion

Saisonresume 2013

Nun ist sie also schon wieder vorbei, die Triathlonsaison 2013! Und es war mit Abstand meine erfolgreichste bisher. Als Langdistanzlerin kann man ja nicht all zu viele Wettkämpfe in den paar Monaten machen, aber dieses Jahr habe ich eine sehr gute Balance gefunden.

Certificate

Begonnen hat alles mit dem Lauf-Highlight Boston Marathon – mit einer Personal Best von 3.27 h und einigen aufregenden, schönen aber auch schlimmen Erlebnissen.

Gefolgt von einer Absage des Belfort Triathlons über die Olympische Distanz, weil schwimmen bei 10 Grad Wasser- und 8 Grad Aussentemperatur einfach keinen Spass macht. 😦

Ironman Austria 020Ironman Austria 063

Ironman Austria 067

Dann der Ironman Austria in Klagenfurt am 30.6. 2013, der mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. Mit einer für mich tollen Schwimm-, leider nur mittelmässigen Rad-, aber dafür umso besseren Laufleistung, konnte ich auch hier eine neue Personal Best anschreiben und mir mit 10.25 h den 3. Platz in der AK W35 sichern. Mit dem Hawaii-Slot hat es leider (noch) nicht geklappt, aber ich weiß jetzt, dass mit etwas Glück, auch das möglich ist. B-)

P1000959


P1000962

Mitte August haben wir uns dann entschlossen, den IM 70.3 in Wiesbaden in Angriff zu nehmen. Das war gleichzeitig auch die Europameisterschaft über diese Distanz und somit nahezu die gesamte Europaspitze, nicht nur bei den Profis, sondern auch in den einzelnen Altersklassen am Start. Mit einer soliden Leistung in allen drei Disziplinen, konnte ich mir den guten 7. Platz in meiner AK sichern und hätte damit auch noch einen Startplatz für die IM 70.3 Weltmeisterschaft in Las Vegas bekommen. Doch aus Vernunfts- bzw. finanziellen Gründen habe ich mich dagegen entschieden und auf eine Reise ins Spielerparadies verzichtet.

P1010102IMG-20130908-WA0006 IMG-20130908-WA0005 P1010128

Und das war gut so – dafür konnte ich nun mit dem Ironman 70.3 in Luxembourg einen würdigen Schlussstrich unter die Triathlonsaison 2013 setzen. Bei meinen gewohnten, aber ungeliebten Wetterbedingungen (Regen, Kälte, Wind) gelang mir eine passable Leistung, die mit dem 2. Platz in der AK W35 und einem 14. Gesamtrang bei den Frauen, sowie einer weiteren Personal Best von 5.03 h, diesmal über die halbe Ironmandistanz, belohnt wurde. Aus dem frühen Qualiplatz für die 70.3 WM 2014 im Canadischen Mont Tremblant wurde zwar nichts, aber auch dieser ist in Reichweite gerückt.

trophäen

Somit stehen jetzt gleich zwei Stück der begehrten IM Trophäen im Wohnzimmer und geben mir zusätzliche Motivation für das nächste Jahr – denn mindestens eine fehlt ja noch ;-).

Nun nehme ich erstmal die Beine hoch und gönne mir ein paar Tage Ruhe und vor allem viel Schlaf. Was der Herbst dann noch lauftechnisch bringt, wird sich weisen. Wenn der Körper mitspielt möchte ich meine gute Laufform jedoch nutzen, vielleicht auch endlich meine Bestzeit im Halbmarathon etwas nach unten zu schrauben.

Bis bald

eure Tanja

Boston Marathon 2013

Boston Marathon 2013

LaternenLange hat es gedauert, bis ich mich in der Lage fühlte, diese Zeilen zu schreiben. Das hat mehrere Gründe und einige davon sind vielen sicher schon bekannt. Deshalb möchte ich mich hier auch hauptsächlich auf die sportlichen Dinge konzentrieren. 

Village Startpose

Schon seit September 2012 stand fest, dass ich mir einen meiner Lebensträume erfüllen darf – einmal den Boston Marathon zu laufen. Den ältesten und seit Beginn an jedes Jahr stattfindenden Marathon der Welt. Dieses Jahr zum 117. Mal. Und den darf man nicht einfach mal so laufen, sondern dafür muss man sich in einem der Qualifkationsrennen weltweit qualifizieren und dann auch noch ein bisschen Glück haben, um in die endgültige Startliste zu rutschen.

Die nötige Qualizeit hatte ich 2011 beim Niagara Falls International Marathon geschafft und so durfte ich die Reise, gemeinsam mit meinen zwei Betreuerinnen, am 9. April antreten.

Zuerst ging es für drei Tage nach Washington, wo wir traumhaftes Wetter und zufällig auch genau die richtige Zeit für die Kirschblüte (Cherry Blossom Festival) erwischten. An einem Abend erfüllte sich endlich auch mein Wunsch, einmal in den USA ein Basketballspiel live zu sehen. Washington Wizards vs. Miami Heat war ein echtes Highlight!

Memorial

auf den Spuren von Rocky

Wizards Arena ich

Am 12. April ging es weiter nach Boston um noch ein paar Tage durch die Stadt schlendern zu können. Dort wurden wir jedoch wieder mit bitterkalten, regnerischem Wetter begrüsst. Mir war es egal, denn meine volle Konzentration war bereits auf den Marathon gerichtet.

Eingang ExpoBrooks2

Nissan

Das Wetter wurde erfreulicherweise von Tag zu Tag besser und auch die Spannung stieg unvermeidbar 


an. Tolle Stimmung bei der Startnummernausgabe, eine beeindruckende Marathonmesse, etc. … kurzum alles war perfekt organisiert und lief wie am Schnürchen. Einzig die Pastparty war etwas mühsam, weil wir bei der Kälte im Freien der riesigen City Hall von Boston sitzen mussten. Und dann endlich – 15.04.2013 – Marathonday!!

Pasta PartyMenschenschlangen

Gottes Segen...Unglaubliche Menschenmassen  waren ab halb 6 Uhr früh unterwegs zu den Bussen, mit welchen wir von Boston zum Start in Hopkinton gefahren wurden. 45 min Fahrt in den typisch gelb-schwarzen amerikanischen Schulbussen sind immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis. 🙂

Hopkinton StartIn Hopkinton hat man zwar das Gefühl in „the middle of nowhere“ angekommen zu sein, aber auch dort war wieder alles bis ins kleinste Detail geplant und perfekt vorbereitet. Um 10 Uhr dann der Start der Elite und der ersten Welle mit den schnellsten ca. 9000 Läufern. Für mich ging es dann in Welle 2 um 10.20 Uhr los.

Dieser Start war unbeschreiblich und etwas ganz Besonderes – eine riesige Menschenmenge setzte sich in Bewegung und ein bunter Haufen, verteilt über zwei amerikanische Strassenspuren, glitt förmlich geschlossen über die Hügel der ersten 10 Meilen. Im ersten Moment freust du dich noch über den Downhill, doch schon bald merkst du, dass es eigentlich immer leicht bergauf-bergab geht und das zerrt schon von Beginn an ziemlich an den Energiereserven.

Für mich waren die ersten 15 Meilen sehr schwierig, und es hat auch danach noch etwas gedauert, bis ich das Laufen genießen konnte. Noch nie habe ich mich in einem Marathon so überwinden müssen und dass, obwohl das Training, für meine Begriffe, nahezu perfekt verlaufen ist. Der Gruppenzwang am Anfang sorgte dafür, dass ich doch etwas zu schnell begann und somit nie richtig in meinen Rhythmus fand.

Der genialen Stimmung entlang der gesamten Strecke verdanke ich es, dass sich die harte Arbeit im kalten europäischen Winter letztendlich doch absolut ausgezahlt hat. Tausende Zuschauer säumten den Strassenrand, der Lärmpegel der Anfeuerungsrufe war teilweise ohrenbetäubend und gleichzeitig unglaublich motivierend. Man konnte einfach nicht locker lassen, musste immer wieder ein Lächeln auf die Lippen bringen und die eine oder andere Kinderhand abklatschen. Wenn es durch die einzelnen Kleinstädte ging, wurde es immer lauter und die Zuschauer peitschten einen mit ihren Anfeuerungsrufen und selbstgebastelten Motivationsplakaten und -Tafeln, diese unzähligen Wellen und kleinen Hügel rauf und wieder runter. Bei der Halbmarathonmarke, welche sich genau auf Höhe des Wellesley-Collage befindet, erreichte das Ganze dann seinen Höhepunkt. Dort standen tausende Studentinnen und kreischten sich die Seele aus dem Leib, in der Hoffnung, den einen oder anderen Kuss eines Marathonläufers zu bekommen. Eine wirklich beeindruckendes Geschehen, welches dich als Läufer immer wieder etwas ablenkt und so die Verbissenheit auch aus den konzentriertesten Gesichtern verschwinden ließ.

Mit einer HM Durchgangszeit von 1.42.08 stellte sich auch bei mir endlich ein Glücksgefühl ein und dieses sollte bis fast zum Ende hin nicht mehr vergehen. Die Temperaturen waren mittlerweile auch nach meinem Geschmack (ca. 14 Grad) und die Sonne kämpfte sich tapfer durch die Wolken. Mit dem kleinen Zeitpolster konnte ich beruhigt in die 2. Streckenhälfte gehen und freute mich nun schon richtig auf die abschließenden Hügel. Diese verdienten dann auch ihren Namen und zogen so manchem Mitläufer so richtig den Zahn. Immer wieder konnte ich Leute überholen, die während der ersten Meilen an mir vorbei gesprintet waren.

Für mich verflogen die Kilometer und nach den ersten längeren Anstiegen wartete nun alles auf den berühmt-berüchtigten Heartbreak Hill ungefähr bei Meile 21. Doch irgendwie war auch dieser kein wirkliches Problem und schwupps auch schon wieder vorbei. Ca. 4 Meilen vor dem Ziel konnte ich plötzlich meine beiden „Fans“ Claudia und Elvira am Strassenrand erblicken. Die Beiden waren mit der Strassenbahn zu diesem Zuschauerspot gefahren und standen intuitiv an der richtigen Seite. Ich konnte die beiden kurz begrüßen und mir nochmal neue Energie für die letzten Kilometer holen. Und das war sehr, sehr wichtig, denn so langsam begannen meine Oberschenkel auf die wechselnden Belastungen zu reagieren. Es gelang mir weiterhin meine Zielgeschwindigkeit zu halten und schon sehr früh wusste ich, dass es mit den Sub 3.30 h klappen wird.

Von nun an ging leider alles ganz schnell und dadurch konnte ich das lang ersehnte Finish gar nicht richtig genießen. Einbiegen auf die endlose Zielgerade mit Blick auf die markanten Gebäude der Bostoner Innenstadt, noch einmal alle Kraft in die Beine und dann endlich über diese berühmte blau-gelbe Ziellinie laufen – geschafft!!! Der Blick auf die Uhr brachte dann noch mehr Zufriedenheit -Personal Best in 3.27.35 h auf einer wahrlich nicht einfachen Marathonstrecke.

Finish von oben

Leider aber blieb zum Realisieren meiner erbrachten Leistung diesmal so gut wie keine Zeit. Das Adrenalin wich sehr schnell aus meinem Körper und durch den kühlen Wind im Zielgelände wurde mir sofort furchtbar kalt. Nur ganz kurz setzte ich mich auf die nächste Gehsteigkante und versuchte mich zu erholen. Doch irgendwas in mir sagte ständig „steh auf, hol deine trockenen Kleider und verschwinde so schnell wie möglich aus diesem Zielgelände.“ Und das tat ich dann auch.

Medaille um den Hals, Wärmedecke um die Schultern, Banane und Riegel geschnappt und am Kleiderwagen den Beutel entgegengenommen. Weiter zum Wechselzelt, umziehen, so schnell es die müden Knochen zuließen, 

Ende

wieder raus und zum Meeting Point um so schnell wie möglich zu Claudia und Elvira zu kommen. Gott sei Dank waren die Beiden genauso bemüht, schnell zu diesem Treffpunkt zu kommen und so musste ich keine 5 Minuten warten, bis ich sie umarmen konnte. Mir war immer noch kalt und so verstanden sie es, dass ich nur noch zurück ins ca. 6 km entfernte Hotel wollte. Wir versuchten es über die U-Bahn und genau in den Momenten, in denen wir uns durch das Menschengewühl ins Innere der Station durchkämpften, müssen draussen, nur ca. 2 Blocks entfernt von uns, diese beiden folgenschweren Bomben explodiert sein. Wir haben davon aber erst erfahren, als wir aus der U-Bahnstation wieder raus mussten und uns aufgrund einer totalen U-Bahn-Sprerre zu Fuß auf den Weg zu unserem Hotel machten. Plötzlich waren die 42 km fast vergessen und ich wollte nur noch raus aus der Stadt. So schnell ich noch gehen konnte und auf dem kürzesten Weg, wanderten wir zum Hotel, ständig mit irgendwelchen Meldungen über Bombenexplosionen, Verletzten, Toten, etc. konfrontiert. Die ganze Stadt war ein einziges Blaulichtmeer und überall heulten die Sirenen der Einsatzkräfte, Hubschrauber kreisten über der Innenstadt und unzählige Autos verwandelten sich plötzlich in zivile Polizeistreifen. Alles ging unglaublich schnell und auch aus der Heimat kamen schon die ersten Anfragen, ob denn alles ok sei bei uns. Dabei wussten wir ja noch gar nicht, was überhaupt genau los war…

Doch im Hotel angekommen, war uns dann schnell klar, wie viel Glück wir hatten und wie intuitiv richtig all unsere Entscheidungen in den letzten 1,5 Stunden waren. Nachdem wir daheim Entwarnung gegeben hatten, verfolgten wir noch bis in die Nacht die Geschehnisse aus dem Hotelzimmer und über die vielen Bildschirme mit den aktuellen News überall. Erst im Laufe der Zeit wurde mir so richtig bewusst, was da eigentlich passiert war, wie nah wir dran waren, wie tragisch dieser perfekte Tag für viele enden musste…

Ich war nur noch froh, als wir am nächsten Tag mit dem Taxi zum Flughafen gebracht wurden und unser Flug auch wirklich nach Atlanta abhob. Nur weg aus der Stadt und wieder auf andere Gedanken kommen.

Braves 31Pierre de Coubertin

Wir verbrachten dann noch drei wunderschöne Tage in Atlanta, besuchten ein Baseball Spiel der Atlanta 

Braves Stadion

Braves, versuchten so viele positive Eindrücke wie möglich zu sammeln, bevor es mit etwas Verspätung und kleineren Troubles auf den Flügen wieder zurück nach München ging. Als dann zwei Tage später auch noch unsere Koffer heil nachgekommen waren, hatte die kleine Odyssee ein Ende gefunden.

Trotzdem werde ich mich wohl noch ewig an diese Reise erinnern und dieser Marathon wird in die Geschichtsbücher eingehen. Nun, mit einigem Abstand zu den Geschehnissen, bin ich einfach nur froh, dass wir nicht direkt im Unglücksbereich waren, nichts gehört oder gesehen haben, dass die Attentäter so schnell gefasst wurden und hoffentlich ihre gerechte Straffe bekommen, bzw. schon bekommen haben und wir drei, genauso wie der Großteil der über 27.000 Läufer und deren Begleiter wieder gut und gesund zurück in der Heimat sind. 

DSC00950

HeimwegDinner